Review | Hellblade: Senua’s Sacrifice

TL;DR:

In Hellblade: Senua’ Sacrifice führt der Spieler die keltische Kriegerin Senua auf ihrem Weg in die nordische Hölle. Das zentrale Thema des story-basierten Abenteuerspiels ist dabei die Psychose des Hauptcharakters mit allen ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Knapp 9 Stunden lang besticht das Spiel mit fantastischem Sounddesign und einer atmosphärisch sehr dichten Welt von Wikingersagen, Halluzinationen und einer packenden Geschichte.

Überblick

Das 2018 von den britischen Entwicklern Ninja Theory veröffentlichte Spiel Hellblade: Senua’s Sacrifice ist ein story-basiertes Abenteuerspiel in der dritten Person. Die Entwickler von Heavenly Sword, Enslaved: Odyssey to the West und Devil May Cry legen dabei den Fokus nicht wie üblich auf RPG- und Kampfelemente, sondern gänzlich auf den titelgebenden Hauptcharakter Senua, die mit schweren Psychosen zu kämpfen hat.

 Offizieller Trailer

Die Story

In der Zeit der Wikinger begibt sich die junge keltische Kriegerin Senua auf die Reise um ihren Verliebten wieder zum Leben zu erwecken. Das Ziel Senuas ist es zur Göttin Hela in die Hölle zu gelangen, um mit ihr über die Seele ihres Liebhabers zu verhandeln oder zu kämpfen. Die Geschichte führt dabei zweigleisig, zum einen an Wikingersagen, zum anderen an Senuas Leben entlang.

An sogenannten Lorestones werden die zum jeweiligen Kapitel passenden Wikingersagen erzählt und die Geschichte so mit Kontext angereichert. 

Die Spielmechanik

Um nach Helheim zu gelangen müssen einige Hindernisse überwunden, Gegner erledigt und Rätsel gelöst werden. Dabei gibt es neben dem Kampfsystem ein Runenrätsel, das sich immer wiederholt. Das ist, besonders aufgrund der langen Wege oft recht mühselig und wird nur teilweise vom Sounddesign der stets präsenten Stimmen (s.u.) aufgewogen.

Das Kampfsystem ist einfach, aber effektiv gehalten. Parieren, ducken, leichter und schwere Angriff und wenn man ein paar Hiebe getroffen hat kann man einen Fokusmodus aktivieren, in dem die Gegner leichter verwundbar sind. Kampf ist nicht das zentrale Element des Spiels, aber auch nicht unwichtig. Jedes Mal, wenn man versagt, greift die schwarze Fäulnis Senuas Arm etwas weiter an. Wenn diese bis zum Kopf gelangt, ist das Spiel verloren.

Grafik

Die Unreal Engine 4 spielt ihre Stärke in den weiten Landschaftsszenen und Close-Ups aus, während die Grafik auf mittleren Kameraeinstellungen eher etwas betagt wirkt. Die sehr freizügig eingesetzten Unschärfeffekte können hier nicht mehr überdecken, dass die UE4 nicht wirklich für 4k-Auflösungen gemacht wurde. Gleichzeitig passt das oft verschwommene Bild in die von Wahnvorstellungen geprägte Welt von Senua.

Senua

Senua’s Sacrifice wird in der dritten Person erzählt. Senua bewegt sich im Laufe des Spiel durch viele mentale Höhen und noch mehr Tiefen. Dabei steuert man sie zwar wie gewohnt mit einem Blick über die Schulter. An den zahlreichen Cutscene sieht man Senua aber direkt ins Gesicht, während sie mit sich ringt. Das spiegelt sich eindrucksvoll in ihrer Gesichtsmimik wieder. Egal, in welcher Umgebung, Stimmung, verletzt oder im Halluzinationstraum, ist die schauspielerische Leistung exzellent und ihre Umsetzung im Spiel noch besser. An mehr als einer Stelle ist der Wechsel vom eigenen Steuern Senuas zum Blick in ihr Gesicht und direkter Ansprache so gut gemacht, dass man ihre mentale Zerissenheit geradezu spürt.

Trotz aller mentalen Probleme, die Senua mitbringt ist sie nicht, wie sonst oft ein schwacher Charakter, sondern schafft es mit ihrer Krankheit umzugehen und sich durch Konfrontation mit ihren Erfahrungen weiterzuentwickeln. Statt der stereotypischen “Verrückten” ist sie effektiv die Heldin des Spiels und erreicht am Ende sogar ihr Ziel.

Mehr dazu findet ihr im folgenden englischsprachigen Interview mit den Entwicklern, die mit einem Psychologen zusammengearbeitet haben um das Thema aufzuarbeiten. https://www.sciencefocus.com/the-human-body/how-hellblade-senuas-sacrifice-deals-with-psychosis/ 

Die vielen Gesichter Senuas

Die Stimmen

Die Stimmen (siehe Sound) manifestieren sich stellenweise auch visuell. In Spiegeln, als geisterhafte Erscheinung, oft schemenhaft und verschwommen im Hintergrund versuchen sie Senua zu beeinflussen. Dabei kommen trotz der undeutlichen Darstellung die Charaktere gut herüber und geben den ständigen begleitenden Stimmen ein Gesicht.

Sound

Der Sound ist in Hellblade nicht nur Nebensache, sondern zentrales Element des Spiels. Die zahlreichen Stimmen, die den Spieler begleiten, tragen maßgeblich zur intensiven Atmosphäre bei. Gleichzeitig führen sie den Spieler und geben Tipps, treiben die Story voran und sorgen für überraschende Wendungen.

Fazit

Hellblade: Senua’ Sacrifice hat unzweifelhaft einen besonderen Ansatz mit dem Thema Psychose umzugehen. Es dürfte schwer fallen, das Spiel ohne den Fokus auf die mentalen Krankheiten der Hauptfigur zu erleben. Diese werden exzellent erzählt und mit dichter Atmosphäre und exzellentem Sounddesign verpackt. Leider sind die vom Ansatz her gut gestalteten Rätsel mit einigem unnötigem herumlaufen verbunden. Das wird zwar durch die begleitenden Stimmern etwas überspielt, ist aber auf Dauer eher anstrengend. Im knapp 9 Stunden kurzen playthrough fällt es aber nicht besonders ins Gewicht.

Der Nachfolger, Senuas’s Saga, ist in arbeit.

 

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Final score

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